Marion Welsch leitet Kurse zur Alphabetisierung von Frauen mit Babys und Kleinkindern.

 

2016 kritisierte ich in einem Aufsatz die Praxis der bestehenden Deutsch- und Integrationskurse. Die Gruppen sind zu groß, schrieb ich, zu heterogen, die Methoden, Inhalte und Zeitrahmen zu wenig angepasst an diejenigen, die gerade nach Deutschland geflüchtet waren. Zu wenige der Teilnehmenden erreichten in den jeweils 100 Unterrichtseinheiten ihr Ziel um nach den Richtlinien des europäischen Referenzrahmens eine Stufe weiter zu kommen.
Mein Vorwurf: Eine ganz schöne Geldverbrennungsmaschine.

 

Wir waren noch nicht erfahren genug mit den neuen Geflüchteten – Gruppen. Es fehlten und fehlen immer noch gut ausgebildete Lehrende, mal abgesehen von der Bezahlung, die es guten Lehrenden verbietet, den Job anzunehmen, außer sie sind schon pensioniert, haben geerbt, sind gut verpartnert oder haben im Lotto gewonnen.

 

„Gut qualifizierte Lehrkräfte sind die Voraussetzung für den Erfolg von Integrationskursen. Neben hoher pädagogischer und interkultureller Kompetenz zeichnen sich diese Lehrkräfte durch hohe fachliche Qualifikation aus.“
schreibt das Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge auf seiner Website.

Was musste sich vor allem ändern?

 

– Die Kurse sollten an die Zielgruppen möglichst weitgehend angepasst werden., d. h. in der Gruppenstärke und nach dem Bedarf der Zielgruppe.
– Der Unterricht sollte individualisiert und flexibel stattfinden.
– Die längst formulierten Vorgaben des BAMF im „Konzept für einen bundesweiten Alphabetisierungkurs“ 2015 von Prof. Dr. Alexis Feldmeier sollten umgesetzt werden.
– Lehrende müssen fest angestellt werden.

 

Alle diese Herausforderungen konnten nicht auf einmal gelöst werden, aber es galt erst einmal anzufangen!
In den bisher mit dem Deutschunterricht für Migrant*innen beauftragten Schulen war kein Raum für diese Ideen. Es musste also vorerst ein eigenes innovatives und möglichst nachhaltiges Projekt entwickelt werden.

Lerngruppen mit besonderem Bedarf

 

Am Rande einer Veranstaltung des Bildungsministeriums Brandenburg erfuhr ich im Herbst 2016 zufällig vom Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft politische Bildung e.V. Brandenburg (LAG), Dr. Michael Jahn, dass es für Deutschkurse zugunsten von Menschen mit besonderem Bedarf eine Finanzierung des Landes gibt. Das Besondere daran ist die Gruppengröße. Das Honorar  für die Unterrichtsstunden, von dem auch die Sachmittel und die Lehrbücher zu bezahlen sind, werden auch schon ab 5 Teilnehmende gezahlt. Das Honorar ist prekär, so wie die meisten Honorare für diese wichtige Arbeit, aber immerhin.

 

So habe ich Ende 2016 beschlossen, einen Kurs nur für Frauen mit Babys und Kleinkindern und begleitender Kinderbetreuung ins Leben zu rufen. Dafür brauchten wir einen Raum für den Unterricht, einen Raum für die Kinder, Geld für die Kinderbetreuung und einen Träger für den Antrag. Den Unterricht wollte ich selbst geben.

 

Für die Kinderbetreuung stand noch eine nicht unerhebliche Restsumme aus dem Benefizkonzert in der Friedenskirche von 2015 zur Verfügung, die für einen Mutter-Kind-Club gedacht war. Auf Nachfragen bekamen wir die Erlaubnis, das Geld ab 2017 auch für die Kinderbetreuung einzusetzen, sofern Mütter und Kinder nicht getrennt würden. Es mussten also zwei Räume nebeneinander sein. Keine einfache Aufgabe. Für die Kinder brauchten wir kompetente Betreuerinnen, die bereit waren 1- 2 x pro Woche einen Vormittag zur Verfügung zu stehen.

 

Nach Räumen habe ich mich bei allen Einrichtungen im Umfeld von Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf erkundigt, die schon mit Geflüchteten zu tun hatten und die ich kannte. Vor allem mussten sie niedrigschwellig zu erreichen sein. Im Übergangswohnheim des Internationalen Bundes in der Oderstraße in Teltow waren alle Bedingungen erfüllt.

 

Der Antrag auf Förderung beim Land Brandenburg wurde erst nach langem Hin und Her bewilligt. Neben meiner BAMF-Anerkennung musste ich unter anderem Unterrichtsstunden mit Geflüchteten nachweisen und zuletzt auch noch meine beiden Staatsexamenszeugnisse einreichen. Kolleg*innen bekamen diese Bewilligung nicht, weil die Einstiegshürden enorm hoch sind. Deswegen fragte die LAG e.V. bei mir an, ob ich zusätzlich die Qualifizierung dieser Kollegen und Kolleginnen übernehmen könnte, aber davon später.

 

Im April dieses Jahres konnten wir mit dem Alphabetisierungskurs für Frauen mit Kleinkindern und Babys endlich beginnen. Die Entscheidung für diese fiel auch, weil sie wegen ihrer kleinen Kinder keine andere Chance haben einen Deutschkurs zu besuchen. Sogar wenn ihre Männer nicht selbst einen Kurs besuchen und zuhause sind, können die meisten Frauen nicht darauf hoffen, dass sie so lange die Kinder übernehmen.

Namen lernen

 

Die Namen von vier der Frauen in meinem Unterricht beginnen mit Gol. Sie kommen aus Afghanistan. Gol heißt Rose, lerne ich, während ich mich verzweifelt bemühe, mir die Namen der 10 Frauen in meinem Deutschkurs zu merken. Ich spiele Namensspiele. Mein Ehrgeiz ist es alle diese mir fremd klingenden Namen in wenigen Tagen auswendig zu kennen und das jeweilige Gesicht mit dem Namen zu verbinden. Golschaman, Golbadam, Golistan, Golpary. Der Name ist Teil der Identität. Wer mich beim Namen nennt, respektiert mich als Person.

Heute lache ich darüber, wie schwer es mir fiel, mir die Namen und die Gesichter unter den verschieden gebundenen Kopftüchern zu merken. Nur zwei der Teilnehmerinnen tragen ihre Haare offen.

 

Die Afghaninnen tragen alle Kopftuch, zwei haben keinerlei formale Bildung, das heißt, sie sind niemals in die Schule gegangen. Zwei sind bei Kursbeginn im April hochschwanger. Einer ist kaum ein Lächeln abzuringen. Eine lächelt immer, spricht und versteht aber nicht. Die Koordinatorin des Heimes erzählt mir, sie hätten schreckliche Fluchterfahrungen. Die vier Rosen aus Afghanistan, die beiden Kurdinnen aus Syrien, eine davon ohne jeglichen Schulbesuch, die Palästinenserin, Flüchtling in 4. Generation aus dem Libanon und die beiden jungen syrischen Studentinnen sind der Stamm des Kurses. Eine weitere Syrerin zog im August mit Mann und vier Kindern nach Potsdam in eine Wohnung. Sie kommt zu Besuch, wenn sie Zeit hat.  Einen neuen Kurs mit Kinderbetreuung wird sie vorläufig nicht finden.

 

Regelmäßig schaut noch jemand Neues vorbei. Manche können bleiben. Zuletzt kamen drei Tschetscheninnen, gekleidet wie Nonnen mit so einer Art Schalmütze, die bis über die Schultern fällt und nur das Gesicht freilässt. Sie können schreiben und deutsche Sätze lesen, aber nichts verstehen. In ihrem von den Russen geprägten 10 Jahren Schulunterricht haben sie etwas Englisch gelernt und dafür die lateinische Schrift. Sie sind seit zwei Jahren in Deutschland und außer in den Ämtern hat nie jemand mit ihnen Deutsch gesprochen. Dennoch sind sie im Vorteil. Wer in die Schule gehen konnte, weiß, wie man mit Hefter, Schere und Locher umgeht und kennt Bücher. Sie müssen nicht lernen, wie man einen Stift hält.

 

Zwei der Teilnehmerinnen wohnen schon in Wohnungen, drei weitere kommen morgens mit dem Bus oder zu Fuß aus einem anderen Heim in Stahnsdorf. Alle anderen leben noch in der Oderstraße.

 

Ich will ihre persönlichen Fluchtgeschichten gar nicht wissen. Wie sie gekommen sind und warum, ob Wirtschaftsflüchtling oder aus dem Krieg oder aus einer brutalen Diktatur und ihre Familie gehörte zum falschen Clan. Oder sie flohen vor Beschneidung, Zwangsverheiratung, gewalttätigen Ehemännern. Ob ihre Eltern noch im Kriegsgebiet sind oder persönlich bedroht und seit Tagen nicht erreichbar. Ob sie bleiben dürfen oder nicht.

Ich will’s nicht wissen. Ich will noch schlafen können, denke ich. Dennoch erfahre ich im Laufe der Zeit viel. Als sie das Wort „Boot“ lernen, fallen die Geschichten nur so aus ihnen heraus. Die Flucht mit dem Boot, dem Bus, zu Fuß, schwanger, mit dem Kleinkind auf dem Arm. Eine der noch ganz jungen Tschetscheninnen erzählt, als zufällig jemand übersetzen kann, dass sie hergekommen sind, weil ihr Mann es so wollte und sie seit ihrer Ankunft vor zwei Jahren kaum schlafen kann. Sie wurde hier schwanger, das Kind ist jetzt ein Jahr alt. Sie werden nun zurückgehen, weil die Schwiegermutter erkrankt ist – und weil ihre Chancen auf Bleiberecht so schlecht sind. Die 21-Jährige träumt davon ihr Jurastudium fortsetzen zu können.

 

Ich solidarisiere mich mit den Teilnehmerinnen meines Kurses als Frau und Mutter. Ich weiß, warum sie morgens gähnen und oft erkältet sind. Ich kann mir annähernd vorstellen, warum sie oft Bauchschmerzen und Kopfschmerzen haben. Ich kenne ihre vielen Termine beim Kinderarzt. Ich verstehe, warum sie in jeder unbeobachteten Minute in ihrer Sprache über Kinder und Haushalt sprechen. Vor allem aber über ihre Sehnsucht nach einer eigenen Wohnung, dem Traum von einer Tür, die man schließen kann und hinter der sich eine eigene Küche und ein Badezimmer befinden. Ich verstehe auch ihren Wunsch sich zu integrieren. Das heißt ihren Kindern in Deutschland eine Zukunft zu bieten und sie dabei zu begleiten, nicht den Kontakt zu ihnen zu verlieren, die in die Schule gehen und damit viel von Deutschland kennen lernen. Dafür wollen diese Frauen die Sprache lernen! Sie wollen die Lehrerin ihrer Kinder verstehen und mit ihren deutschen Nachbarn sprechen, wenn sie endlich eine Wohnung haben.

 

Viele der Frauen kommen aus einer Kultur, in der man auf dem Teppich sitzt und dort auch die Mahlzeiten einnimmt. Ihre Kinder kommen aus der Schule und verlangen einen Esstisch mit Stühlen. Oder die Mütter zeigen mir aufgeregt Fotos auf ihrem Smartphone von ihren Kindern auf Klassenfahrt an die Ostsee.

 

Wir begannen bewusst mit 10 Teilnehmerinnen, weil die Kurse erfahrungsgemäß sehr schnell kleiner werden. Fünf Teilnehmerinnen sind es immer, auch wenn mal wieder ein Virus herumgeht oder Termine bei der Ausländerbehörde in Werder anstehen. Meistens ist der kleine Raum in dem wir arbeiten, aber mit 10 -12 Teilnehmerinnen übervoll.

 

Ich lerne die Namen in der ersten Woche. Neulich las ich, dass in Afghanistan Frauen nicht mit ihrem Namen angesprochen werden dürfen. Frauen ohne Söhne sind wertlos und die meisten Mädchen gehen nicht zur Schule, seit die Taliban das Sagen haben.

 

Wir arbeiten bisher an drei, neuerdings sogar vier Vormittagen in der Woche. Unser Buch ist bunt und freundlich gestaltet. Es ist besonders gut für Menschen mit wenig formaler Bildung geeignet. Ich nehme mir viel Zeit. Ich nehme mir die Zeit, die die Frauen brauchen. Einer der Autoren, unseres Lernwerks „ Alphaplus“ von Cornelsen, Vecih Yasaner, hat in seiner Fortbildung gesagt:

„Sie beginnen heterogen und enden noch heterogener.“

Ein wichtiger Satz, denn es besteht die Gefahr nach unten zu homogenieren.
Die Schere wird tatsächlich immer größer. Ich verteile verschiedene Aufgaben, nach dem Lerntempo der Frauen. Ich ermuntere sie zur Selbständigkeit und zur Arbeit miteinander. Das haben sie nie gelernt. Das müssen sie erst üben.
Wir beginnen morgens mit einem Sing- und Bewegungsspiel zusammen mit den Kindern. In den ersten Wochen rede ich mit Händen und Füßen und ich male viel an das Whiteboard. Ich werde immer besser. Inzwischen kann ich auch Dampftöpfe und Staubsauger zeichnen. Ich bewege mich zuerst im engeren Erfahrungsraum meiner Teilnehmerinnen und im Lehrwerk „Alphaplus“. Seit einiger Zeit findet sich meist eine aus der Gruppe, die schon genug versteht und spricht und die übersetzen kann. Oft lasse ich mir die Worte auf Arabisch, Dari, Paschto oder sogar Türkisch sagen und merke, wie schwer es sein muss Deutsch zu lernen.

 

Im Nachbarzimmer werden die Kinder betreut. Jeweils zwei Betreuerinnen kümmern sich um sie. Wenn wir sie weinen hören, steht die jeweilige Mutter auf und geht hinüber oder die Betreuerin bringt das Baby. Nach drei Monaten haben wir zwei Neugeborene. Eine Mutter bleibt 40 Tage in ihrem Zimmer. Sie hat allergrößte Mühe hinterher wieder einzusteigen. Eine der Rosen, eine schmale junge Frau hat ständig Kopfschmerzen. Sie nimmt sichtbar zu. Auf Nachfragen beteuert sie, sie sei nicht schwanger, ist es aber doch, wie sich herausstellt. Zum vierten Mal. Sie kann sich abstrakte Zeichen schlecht merken und hat auch Mühe Wörter korrekt nachzusprechen. Die beiden Studentinnen lernen leicht. Sie stillen ihre Kinder lange und wollen zwar Deutsch lernen, aber auch gern noch mehr Kinder haben. Das wird sie vermutlich daran hindern wieder zu studieren.

 

Ich beurteile das alles nicht. Ich sage ihnen, wie wir das in Deutschland machen, aber ich versuche sie möglichst wenig zu beeinflussen. In Deutschland gibt es nicht nur eine Lebensform, sondern viele verschiedene.
Ich bringe ihnen Buchstaben für Buchstaben und Laut für Laut bei und übe mit ihnen täglich in ganzen Sätzen zu sprechen.

 

An unseren Unterrichtstagen werde ich von je einer Ehrenamtlichen begleitet. Sie sind ein Segen, weil sie mich dabei unterstützen, die langsam und die schnell Lernenden parallel nach ihrem Tempo zu unterrichten. Alle Ehrenamtlichen, auch diejenigen, die die Kinder betreuen, bekommen eine Aufwandsentschädigung in Form einer „Ehrenamtspauschale“ oder einer „Übungsleiterpauschale“. Das sind Verträge, die uns eine regelmäßige und zuverlässige Unterstützung ermöglichen.

Wir sprechen viel. Ich bemühe mich meinen Sprechanteil so klein wie nötig zu halten und den der Frauen so groß wie möglich. Erst sprechen, dann schreiben und lesen ist das Ziel.

 

In der Pause versorgen die Mütter ihre Kinder, geben ihnen zu essen oder die Flasche, wickeln sie. Nicht alle Babys werden gestillt. Einige Kinder trennen sich noch nicht gern von ihren Müttern. Wir haben fast immer ein, zwei Kinder im Raum. Manchmal biete ich eine Pause an und dann rufen die Frauen: „Nein, jetzt nicht, jetzt schlafen gerade alle Babys“ – und wir machen weiter.

 

Für den Alphabetisierungskurs haben wir vom Land Brandenburg ab April bis Dezember 2017 400 Stunden bewilligt bekommen.
Für alle werden die Stunden reichen, um alle Buchstaben und Kombinationen kennen zu lernen und wenigstens bekannte Texte lesen zu können. Andere werden schon grammatische Kenntnisse im A1 Bereich haben.
Jeden Morgen schreiben sie einen kleinen Test aus der Hausaufgabe von gestern. Ich wünsche mir, dass sie Verben konjugieren und wir üben das! Ich kaufe, du kaufst, er kauft… Ich lerne, du lernst… Jeder kommt ständig dran. Wir klatschen schwere Wörter in Silben in die Hände. Besonders schwer für sie sind Wörter wie „Ausländerbehörde“, „Sozialamt“ und „verheiratet“.
Wenn sie das Schulzimmer verlassen, verfallen wieder alle in das Kiezdeutsch, das wir aus Neukölln kennen. Es wird direkt aus dem Arabischen und seinen verwandten Sprachen übersetzt. Korrektes Deutsch ist eben enorm schwer zu lernen.

Und dann spielen wir, jeden Tag am Ende des Vormittags.

 

Meist spielen wir Memory. Karten spielen sie nicht so gern. Nicht einmal UNO. In ihren Ländern tun das nur Männer, lerne ich, meist um Geld.
Wir spielen an jedem Unterrichtstag, immer das selbe Memory. Sie lieben die Wiederholung desselben und auch diejenigen sind erfolgreich, die sich sonst so schwer tun und unter ihrer mangelnden Schulbildung leiden. Eine Teilnehmerin erklärte, diese Spielzeit sei sehr gut gegen Kopfschmerzen. Man brauche in dieser Zeit an nichts anderes zu denken, nicht an die schwierige Vergangenheit, nicht an die mühsame Gegenwart und nicht an die ungeklärte Zukunft.

 

Sie kommen auch, weil sie ein paar Stunden am Tag ihre Kinder abgeben können, die sie seit ihrer Flucht auf engstem Raum ständig bei sich haben müssen – und weil sie am Ende des Schultages spielen dürfen, wie die Kinder, eine halbe Stunde sorgenfrei.

 

Ich verliere ständig. Beim Spielen beobachte ich die Frauen statt die Memorykarten. Manche haben große Mühe sich an die Regeln zu halten. Zunehmend helfen sie sich gegenseitig, aber einige versuchen diejenige extra zu verwirren, die gerade dran ist. Es ist ein großer Spaß und es gibt viel Gelächter. Sie sprechen in allen ihren Sprachen – und zunehmend Deutsch, jedenfalls, solange ich dabei bin.

Fazit : Was ist neu? Was haben wir erreicht?

 

Anders als in vielen anderen Projekten hat sich die Zahl der Teilnehmerinnen nicht mit der Zeit verringert, sondern wächst. Ich muss weitere Interessentinnen ablehnen, wenn sie schon andere Kurse besuchen konnten. Dabei wäre es nicht schlecht längerfristig zwei Kurse für die langsamen und für die schnellen Lernerinnen zu installieren. Genug Interessentinnen gibt es.
Von den 10 Teilnehmerinnen der ersten Stunde sind bis auf diejenige, die nach Potsdam umgezogen ist, noch alle dabei. Sie bemühen sich pünktlich zu sein oder abzusagen, wenn sie nicht kommen können.

 

Zu unserem ersten gemeinsamen Ausflug auf den Markt am Maybachufer in Berlin fuhren wir im Oktober 2017 mit 10 Frauen, fünf Babys im Kinderwagen, einem Baby im Tragetuch und einem Kind, das laufen konnte: Unternehmungslustig, vielsprachig, laut und fröhlich.

 

Die Koordinatorin des Heimes, in dem wir arbeiten, Mariam Nebriedze, berichtet mir von den Veränderungen der Frauen. Sie haben gelernt, über ihre Nationalität hinaus miteinander viel kooperativer umzugehen. Sie lächeln und lachen viel öfter. Sie tragen ihre Köpfe höher. Sie lieben es in die Schule zu gehen. Es ist auch eine willkommene Abwechslung in der täglichen Langeweile und eine Ablenkung von ihren Sorgen und ihrem Arbeitsalltag.

 

Durch die Verbindung von Deutschkurs und Kinderbetreuung haben sie die Möglichkeit ihre für sie selbstverständlichen Aufgaben als Hausfrauen und Mütter mit ihrer Freude am Lernen zu verbinden.
Damit ist dieses Projekt innovativ und nachhaltig und unbedingt zur Nachahmung empfohlen.

 

Für langsam Lernende ohne oder mit wenig formaler Bildung stehen nach BAMF-Vorgaben 1260 Stunden zur Verfügung. Für Kinderbetreuung gibt es vom Land Brandenburg bisher kein Geld. Wenn das Geld aus dem Benefizkonzert demnächst verbraucht ist, benötigen wir Geld für die Kinderbetreuung aus einem anderen Topf.

 

Der Qualität meiner Arbeit und mir selbst hilft es sehr, dass ich seit März parallel zu meinem eigenen Kurs eine fortlaufende Reihe von Fortbildungen für Dozenten und Dozentinnen gebe, die selbst Kurse leiten wollen, dafür aber eine Zusatzqualifikation brauchen. Ich muss mich ständig intensiv theoretisch mit den Inhalten von Alphabetisierungskursen beschäftigen, auf den neuesten Stand bringen und sie so aufbereiten, dass die Teilnehmenden der Qualifizierung möglichst viel mitnehmen können. Die Theorie und die Erfahrungen aus meinem Alphabetisierungs sind enorm hilfreich.

Für 2018 ist ein neuer Kurs beim Land Brandenburg beantragt.

Dafür fehlen noch Gelder für die Kinderbetreuung.

Marion Welsch im Januar 2018

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Wir danken

den freiwilligen Helferinnen im Unterricht und bei der Kinderbetreuung.

Außerdem:

 

Ministerium für Bildung Jugend und Sport – Land Brandenburg

Evangelische Kirche Kleinmachnow

LAG e.V.

Internationaler Bund e.V.

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