Voneinander lernen

 

Seit Frühjahr 2017 finden die Deutschkurse für geflüchtete Mütter mit Babys und Kleinkindern unter drei Jahren in Teltow statt. Hier soll über die Erfahrungen berichtet werden.

Der Deutschkurs ist täglich montags bis donnerstags, insgesamt 16 Unterrichtseinheiten außerhalb der Schulferien im Übergangswohnheim des Internationalen Bundes e.V. Dort haben wir 2 Räume zur Verfügung, ein Schulzimmer und einen sehr großen Raum für die Kinder.

 

Es nehmen 8-10 Frauen teil.

 

Die Deutschkurse haben sich zu einem ineinander greifenden System entwickelt, deren einzelne Rädchen allen Beteiligten von großem Nutzen sind. Die Teilnehmerinnen sind enorm froh über diese Gelegenheit mit ihrem Kind Deutsch lernen zu können.

Das gesamte Team besteht zur Zeit aus einer Lehrerin, drei Ehrenamtlichen im Deutschunterricht, den deutschen und geflüchteten Betreuerinnen der Kinder, den Müttern, die Deutsch lernen wollen und ihren Kleinkindern.

Alle lernen voneinander!

 

  • Der Deutschkurs ist niedrigschwellig.
  • Die Betreuerinnen lernen von den geflüchteten Müttern, wie sie in den verschiedenen Kulturen mit ihren Kindern umgehen.
  • Die Mütter lernen, wie wir in Deutschland mit Kindern umgehen, was wir hier singen und spielen.
  • Es gibt regelmäßig einen Morgenkreis mit der Lehrerin, den Betreuerinnen, den Ehrenamtlichen im Unterricht, den Müttern und den Kindern.
  • Donnerstags findet neuerdings auch eine Einheit Gymnastik für alle mit den Kindern statt.
  • Die Kinder lernen Deutsch bevor sie in die Kita kommen.
  • Die Kinder lernen miteinander zu spielen.
  • Die Betreuerinnen, die deutschen Ehrenamtlichen im Kurs, die deutsche Lehrerin und die geflüchteten Mütter aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen Sprachen lernen sich kennen und wertschätzen.
  • Die oft einsam ohne ihre Großfamilie in ihren Heimzimmern oder schon in Wohnungen lebenden Mütter können bei der Erziehung ihrer Kinder begleitet werden, wenn gewünscht.
  • Aus dem Projekt erwachsen Hilfsangebote bei der Wohnungssuche, den Terminen bei den Behörden, beim Verstehen der Behördenbriefe.
  • Für die Mütter sind es oft die einzigen Kontakte zu Deutschen.
  • Für die Mütter ist der Deutschkurs oft der einzige Kontakt zu Frauen anderer Nationalitäten außer in den Küchen der Heime.
  • Die gemeinsam verbrachte Zeit fördert den gegenseitigen Respekt.
  • Deutsch zu lernen ist der wichtigste erste Einstieg in die Integration.
  • Kooperation mit anderen ist eine große Hilfe im schwierigen neuen Alltag.
  • Der Deutschkurs mit Kinderbetreuung ist für viele Mütter nach der Flucht oft die einzige Zeit ohne Kind.
  • Für einige Betreuerinnen sind die regelmäßigen Betreuungstage nach der eigenen Elternzeit ein langsamer Einstieg zurück in den Beruf.
  • Studierende Betreuerinnen können sich die Betreuungszeit als Praktikum anrechnen lassen.
  • Für Betreuungszeit gibt es ein Zeugnis als Praktikum.
  • Seit September 2018 arbeiten auch geflüchtete Mütter aus dem letzten Kurs als Betreuerinnen im Tandem mit jeweils einer Deutschen um auch während der Betreuungszeit Deutsch zu sprechen.
  • Die geflüchteten Frauen können sich die Sozialleistungen durch selbst verdientes Geld aufbessern und bekommen auch eine Praktikumsbescheinigung und ein Zeugnis, was ihnen bei der Integration hilft.

Und die Herausforderungen?

 

Der Verein IntegrationsConcept e.V. (www.integrations-concept.de ) trägt die Finanzierung der Betreuung. Das ist nicht einfach, weil es keine Basisfinanzierung gibt und Gelder immer wieder zeitaufwändig neu akquiriert werden müssen. Die letzten größeren Spenden bekamen wir dankenswerter Weise vom Kreativkurs des Collegium Augustinum in Kleinmachnow über € 600 und zu unserer großen Freunde schon zum zweiten Mal im März von der Sektion Kleinmachnow des Lionsclubs über € 1000.

 

Das wird allerdings die Kosten für 2019 noch nicht decken.

 

Die Betreuerinnen werden über eine Jugendleiterpauschale bezahlt. Wir können uns eine regelmäßige Betreuung durch immer die beiden selben Personen nicht leisten. Das hat zur Folge, dass manche Kinder, die im „Fremdel-Alter“ zu uns kommen, sich von ihren Müttern nicht trennen mögen. Das führt dann dazu, dass wir entweder unruhige Kinder im Unterricht haben oder die Mütter eine Eingewöhnungsphase lang im Kinderzimmer bleiben müssen oder wir im äußersten Fall auch schon mal Unterricht im Kinderzimmer machen, was für niemanden wirklich hilfreich ist.

2018 war ein halbes Jahr lang eine Freiwillige in der Sozialen Arbeit als Betreuerin durch den IB e.V. eingesetzt, die aber dann mit der Koordinatorin im letzten Oktober das Heim wechselte. Die junge Frau hatte dem Vertrauen der Kinder und der Ruhe im Kinderzimmer sehr gutgetan. Zwar hat der Landkreis Potsdam-Mittelmark jetzt wieder seit 1. Januar 2019 Gelder für FSJ-Stellen zur Verfügung gestellt, aber mitten im Schuljahr ließ sich niemand finden und diese Tätigkeit kann auch nicht jede unerfahrene Schulabgängerin machen, denn unsere Babys sind manchmal noch sehr klein.

 

Der Aufenthalt der Teilnehmerinnen in Deutschland ist zudem oft noch nicht gesichert. Sie müssen regelmäßig während der Unterrichtszeiten zur Ausländerbehörde fahren und bekommen dann nur für wenige Monate eine neue Duldung in ihre Ausweise eingetragen.

 

Sie haben viele Behörden- und Arzttermine, auch für ihre älteren Kinder, die fast immer am Vormittag liegen, was sich trotz Überzeugungsarbeit in den Arztpraxen nicht geändert hat.

 

Wenn die Kinder krank sind, bleiben die Frauen oft zu Hause, obwohl wir feststellen können, dass sich auch manche Väter zunehmend kümmern, wenn es ihre Zeit erlaubt.

 

Wenn die Kinder während des Kurses einen Kitaplatz bekommen, müssen die Frauen in einen BAMF- Kurs wechseln, so bestimmt es das Jobcenter. Das ist für manche kein Problem, aber für die primären Analphabetinnen sind diese Kurse viel zu schnell und zu anspruchsvoll.

 

Im Kurs sind Frauen, die niemals eine Schule besuchen konnten neben solchen, die 12 Jahre in die Schule gegangen sind und im Heimatland vielleicht sogar berufstätig waren, primäre Analphabetinnen neben Zweitschriftlernenden neben Frauen die schon Englisch schreiben und lesen können.

 

Deswegen muss der Kurs relativ klein bleiben, damit eine ausreichende Binnendifferenzierung möglich ist.

 

Seit einigen Monaten setzen wir auch das VHS- Lernprogramm auf Chromebooks ein, die Google gespendet hat und die von Asyl Plus (www.asylplus.de) in München verwaltet werden. Wir bekommen sie von unserem befreundeten Verein Young Images e.V. geliehen. (https://youngimages.de)

 

Individuelles Lernen mit dem VHS-Programm und mit dem Handy erlaubt noch mehr Differenzierung (https://a1.vhs-lernportal.de).

 

Mit dem Smartphone kennen sich die meisten Frauen aus. Es ist ihre Nabelschnur in die Heimat. Mit der deutschen Tastatur und der Computermouse müssen fast alle neu umgehen lernen.

 

Deutsch Sprechen allerdings lernen sie alle gemeinsam im Unterricht, im Morgenkreis und in der Pause und manche auch schon in der Betreuung.

 

Der jetzige Kurs wird nach 375 Stunden im Mai mit einem Test über das Gelernte und einer Teilnahmebescheinigung enden. Was die Teilnehmerinnen dann weiter machen, ist unklar. Andere Kurse mit Kinderbetreuung gibt es im Einzugsbereich nicht!

 

Marion Welsch April 2019

Unterstützer von IntegrationsConcept werden

 

mail@integrations-concept.de

Wir danken

den freiwilligen Helferinnen im Unterricht und bei der Kinderbetreuung.

Außerdem:

 

Evangelische Kirche Kleinmachnow

LAG e.V.

Internationaler Bund e.V.

Lions Clubhilfswerk Kleinmachnow

Landkreis Potsdam-Mittelmark

Kreativkurs des Collegium Augustinum

Private Spender und Spenderinnen

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Käthe-Kollwitz-Str. 41
14532 Kleinmachnow
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